Glossar der Evidenzbegriffe

Zentrale Begriffe der Evidenz-Dossiers, Quellenbewertung, Übertragung und redaktionellen Prüfung.

Stand
2026-08-25
Lesedauer
2 min
Zielgruppe
Lehrpersonen, Schulleitung, Lernende, Forschende

Das Glossar definiert Begriffe so, wie sie in den Dossiers und Methodikseiten verwendet werden. Die Definitionen begrenzen Aussagen; sie sind keine Bewertung eines Themas oder einer Institution.

Aussagen und Evidenz

ClaimEvidenz

Ein über eine stabile Claim-ID identifizierter Eintrag mit einer zentralen, überprüfbaren Aussage. Ein Claim besitzt einen Quellenstand, mindestens eine unterstützende Quelle und kann zusätzlich widersprechende oder Nullbefunde ausweisen. Thematische Nähe allein reicht nicht als Beleg.

QuellenstandEvidenz

Die Gesamteinordnung eines Claims als mehrfach belegt, Befunde uneinheitlich, schmale Studienbasis oder noch ungeklärt. Mehrfach belegt sind empirische oder kausale Befunde, wenn sie von mehreren methodisch starken, hinreichend vergleichbaren Quellen getragen werden. Eine eng gefasste Autoritätstatsache kann auch durch eine einzelne zuständige Primärquelle belegt sein; deren Autorität ist kein Wirksamkeitsnachweis. Der Quellenstand qualifiziert eine eng formulierte Aussage und wird zusammen mit Aussageart und Empfehlungsbasis gelesen. Eine gut begründete Vorsichtsempfehlung ist deshalb kein robuster Nachweis für eine Interventionswirkung.

AutoritätsquelleQuellenrolle

Eine zuständige Primärquelle für eine Rechtslage, offizielle Fassung, Leitlinie oder institutionell definierte Orientierung. Ihr Geltungsbereich muss zur Aussage passen. Der Autoritätsstatus ist kein kausaler Wirksamkeitsnachweis für eine pädagogische Intervention.

NullbefundEvidenz

Ein zur Frage passender Befund ohne statistisch oder praktisch erkennbaren Unterschied. Er wird nicht versteckt, sondern begrenzt gemeinsam mit widersprechenden Befunden die Reichweite eines Claims.

RetentionLernen

Leistung nach zeitlicher Verzögerung am gleichen oder eng gleichwertigen Lernziel. Ein Nachweis ohne KI ist ein Signal für eigenständige Leistung oder Retention; welche Einordnung gilt, hängt vom Zeitpunkt der Messung ab.

TransferLernen

Die eigenständige Anwendung von Verständnis oder Können auf eine materiell neue Aufgabe oder einen materiell neuen Kontext. Eine bessere Leistung während der KI-Nutzung belegt keinen Transfer. Ein KI-freier Nachweis belegt Transfer nur, wenn Aufgabe oder Kontext materiell neu sind; eine zeitliche Verzögerung allein prüft Retention.

Redaktion und Anwendung

ReviewstatusTransparenz

Kennzeichnung des Prüfprozesses. Editorial bedeutet redaktionell geprüft, ohne externe Fachprüfung. Expert setzt mindestens eine namentlich dokumentierte, von der Autorenschaft unabhängige Fachperson voraus. Der Reviewstatus ändert den Quellenstand nicht automatisch.

Direkt evidenzgestütztEmpfehlung

Eine Empfehlung, deren Handlung oder zentrales Designmerkmal in passenden empirischen Studien untersucht wurde. Population, Setting und Messung begrenzen weiterhin die Übertragbarkeit.

Didaktische AbleitungEmpfehlung

Eine nachvollziehbare Übertragung von Befunden mit fachlichem und didaktischem Wissen auf eine schulische Entscheidung. Sie wird nicht als direkt getesteter Forschungsbefund dargestellt.

VorsichtsempfehlungEmpfehlung

Eine proportionale Schutzmassnahme bei einem plausiblen Risiko, wenn direkte Wirksamkeitsevidenz fehlt oder begrenzt ist.

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