Muster-Fallstudie · Sek I

Sekundarschule Lindenhof

Illustratives Muster · alle Namen, Orte und Zahlen sind fiktiv

Eine Sek I mit 24 Klassen und ~450 Lernenden zeigt in dieser Muster-Fallstudie, wie sich KI in eineinhalb Jahren von unkontrolliertem Zufallsbetrieb zu strukturierter Nutzung wandeln lässt. Die Fallstudie ist entlang der Modelle A und B gegliedert; Modell C (Infrastruktur) wird gestreift.

Hinweis. Diese Fallstudie ist ein Muster, kein Feldbericht. Sie kombiniert typische Verläufe aus Beratungsprojekten zu einem realistisch gedachten Gesamtbild. Schulleitungen, die ähnliche Schritte planen, finden hier Aufbau und Entscheidungslogik, keine vorgefertigten Antworten.
1 · Kontext

Ausgangslage

Schule

  • Sek I in einem mittelgrossen Deutschschweizer Kanton
  • 24 Klassen, ~450 Lernende, 42 Lehrpersonen
  • 3 Niveaus (Grund-, Erweiterte, Pfadanforderungen)
  • 1:1-Geräte (Schul-Notebooks) seit 2022

Ausgangslage zu KI

  • Individuelle ChatGPT-Nutzung durch einzelne Lehrpersonen seit 2023
  • Keine Policy, keine Tool-Freigabe
  • Erste Vorfälle: KI-geschriebene Hausaufgaben, zwei Beschwerden von Eltern
  • Schulleitung: Unsicherheit, ob verbieten oder führen
2 · Problem

Der konkrete Anlass

Im Frühling 2024 reichen zwei Familien Beschwerde ein: Die Bewertung einer Schreibaufgabe sei unfair, weil Mitlernende offensichtlich KI genutzt hätten – ohne Konsequenz. Eine Lehrperson reagiert mit einem Totalverbot, eine andere erlaubt KI explizit; dieselbe Schule, gegensätzliche Regeln. Die Schulleitung merkt: Ohne tragende Linie verliert sowohl Fairness als auch Pädagogik an Substanz. Das Problem ist nicht die KI, sondern die fehlende schulische Entscheidung.

3 · Vorgehen

18 Monate entlang der Modelle A und B

Monate 1–3 – Orientierung (Modell B)

Monate 4–9 – Policy und Pilot (Modell B + A)

Monate 10–15 – Breitenrollout (Modell A im Zentrum)

Monate 16–18 – Konsolidierung und Review

4 · Ergebnis

Was sich verändert hat

Messbar

  • Keine Beschwerden wegen KI-Unfairness im zweiten Schuljahr (vorher: 5).
  • Lehrpersonen-Umfrage: 78 % fühlen sich handlungsfähig (Start: 24 %).
  • Lernende (Niveau 3, 9. Klasse): Transparenz-Protokoll bei 92 % der bewerteten Arbeiten vollständig.
  • Beschaffungskosten: Schul-Lizenzen + On-Prem-Pilot im Budget, Vorjahresvergleich −8 % durch Konsolidierung.

Qualitativ

  • Gemeinsame Sprache: Kollegium spricht über "Eigenleistung" und "Generativitätsgrad" statt über "KI erlaubt oder nicht".
  • Fachschaften tauschen Aufgabenformate aktiver aus.
  • Eltern fühlen sich informiert; Infoveranstaltung war voll.
  • Schulpflege hat Governance-Rolle verstanden und stützt Entscheide.
5 · Gelerntes

Fünf Einsichten

  1. Ohne Steuergruppe kein Tempo. Die Einzelperson, die "das Thema übernimmt", brennt aus – spätestens nach sechs Monaten.
  2. Pilot mit drei Fachbereichen war richtig. Weniger wäre nicht tragend gewesen, mehr hätte die Steuergruppe überlastet.
  3. Policy v1 war zu detailliert. Die erste Fassung hatte zu viele Einzelregeln. v2 ist halb so lang und klarer.
  4. Elternkommunikation unterschätzt. Der Elternbrief hätte drei Monate früher kommen sollen; zwischen "Pilot" und "Breite" war eine Lücke.
  5. On-Prem-Pilot hat sich gelohnt – aber nicht als Gesamtlösung, sondern als Kompetenzaufbau. Die Informatik-Fachschaft hat dadurch Autorität in der Tool-Registry gewonnen.

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