Muster-Fallstudie · Sek II

Gymnasium Seeblick

Illustratives Muster · alle Namen, Orte und Zahlen sind fiktiv

Ein vierjähriges Gymnasium mit Informatik-Schwerpunkt führt in zwei Schritten Vibe Coding im Grundlagenfach ein, ohne die Prüfungsintegrität aufzugeben. Der Schwerpunkt liegt auf Aufgabendesign (Modell A, Modul Assessment) und einem schulinternen technischen Rahmen (kleines Stück Modell C).

Hinweis. Diese Fallstudie ist ein Muster. Der Aufbau entspricht typischen Projekten aus der Beratung mehrerer Gymnasien; Namen, Orte, Quoten und Tool-Kombinationen sind fiktiv. Nutzen Sie sie als Denk- und Strukturvorlage, nicht als Rezept.
1 · Kontext

Ausgangslage

Schule

  • Vierjähriges Gymnasium, ländliche Region
  • ~620 Lernende in 30 Klassen
  • Obligatorisches Informatik-Fach (Sek II) und Ergänzungsfach
  • Lehrplan-Anforderung: Programmieren als Kompetenz, nicht nur als Schulstoff

Vorher

  • Programmierunterricht in Python, traditionell geprüft (Code schreiben am Rechner)
  • Informelle KI-Nutzung durch Lernende (Copilot, ChatGPT) seit 2023
  • Zwei Lehrpersonen beobachten: Lernende verstehen den Code nicht mehr, den sie abgeben.
  • Fachkonferenz fragt sich: Was prüfen wir eigentlich noch?
2 · Problem

Die Kernfrage der Fachschaft

Wenn KI Programmieraufgaben in Sekundenschnelle fehlerfrei löst, ist klassisches "Code schreiben auf Anforderung" kein tragendes Prüfungsformat mehr. Gleichzeitig: In der Berufs- und Hochschulwelt programmieren die Lernenden längst mit KI-Unterstützung. Ein Totalverbot würde an der Lebenswelt vorbeigehen. Die Fachschaft formuliert die Frage: Welche Kompetenz wollen wir eigentlich aufbauen und prüfen – und was hat KI damit zu tun?

3 · Vorgehen

Zwei Schuljahre, zwei Phasen

Phase 1 – Kompetenzmodell & Sandbox (Schuljahr 1)

Phase 2 – Rollout & Matura-Formate (Schuljahr 2)

Technischer Rahmen (Modell-C-Streifschuss)

4 · Ergebnis

Was sich verändert hat

Messbar

  • Notenschnitt im Informatik-Grundlagenfach: konstant (6,0 → 5,9 bei neuem Raster).
  • Durchfallquote: 4 % (stabil).
  • Abbruchquote Ergänzungsfach: −40 % (Lernende, die vorher ausstiegen, bleiben dabei).
  • Anzahl Matura-Arbeiten im Informatik-Profil: +50 % (18 → 27).

Qualitativ

  • Lernende können die mündliche Code-Erklärung deutlich besser leisten als vor zwei Jahren.
  • Fachschaft berichtet: Klassendiskussionen über "warum ist dieser Code schlecht" sind tiefer.
  • Eltern erleben die Prüfungsform als fair und zeitgemäss.
  • Informatik-Fachschaft ist zur internen Beratungsstelle für andere Fachschaften geworden.
5 · Gelerntes

Fünf Einsichten

  1. Kompetenzmodell vor Tool-Entscheidung. Die Fachschaft hat nicht "KI eingeführt", sondern die Frage "was prüfen wir eigentlich" neu beantwortet. Die Tool-Wahl folgte daraus.
  2. Mündliche Komponente war der grösste Gewinn. 20 Minuten Code-Review haben mehr Validität als 90 Minuten stummes Tippen.
  3. On-Prem-Sandbox war ihr Geld wert – weniger wegen Datenschutz (der wäre auch mit Cloud lösbar), sondern wegen Datensouveränität und Lerneffekt in der Informatik-Fachschaft.
  4. Debugging-Aufgaben sind gold wert. Sie sind KI-resistent im besten Sinn: KI hilft, ersetzt aber das Denken nicht.
  5. Nicht auf die Matura warten. Der grösste Fehler wäre gewesen, zu warten, bis die Matura-Reform national kommt. Die Schule hat innerhalb der bestehenden Regeln genug Spielraum gehabt.

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