Wissen · Orientierung

Nationale Rahmen DACH

Stand: April 2026 · Schweiz · Deutschland · Österreich

Wer regelt KI in Schulen der Schweiz, Deutschlands und Österreichs? Welche Institutionen sind ansprechbar, welche Leitlinien gelten, welche Pilotprojekte laufen? Diese Orientierungsseite listet die wichtigsten Akteure und Dokumente pro Land – und verweist auf die jeweiligen Primärquellen.

Abschnitte: Schweiz, Deutschland, Österreich, Vergleich, Bezug zum EU AI Act.

Orientierung in 30 Sekunden. In allen drei DACH-Ländern gilt: Bildung ist föderal organisiert (Kantone / Länder / Bundesländer), der Bund koordiniert, die Entscheidung trifft die Schule selbst. Die nationale Ebene liefert Leitlinien, Rechtsanalysen und Pilotprogramme – verbindliche Nutzungsregeln werden auf Schul- und Trägerebene erlassen. Der EU AI Act wirkt in DE/AT unmittelbar, in der Schweiz indirekt.
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🇨🇭 Schweiz

Bildung ist Sache der 26 Kantone. Die EDK (Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren) koordiniert, educa.ch unterstützt fachlich, die Kantone setzen verbindlich um.

Bundesebene & Koordination

EDK – Koordination der Kantone

Die EDK verantwortet die Digitalisierungsstrategie der kantonalen Bildungsbereiche. Sie führt educa.ch gemeinsam mit dem SBFI und verhandelt internationale Rahmen (u. a. Council-of-Europe-KI-Konvention, OECD).

EDK: Digitalisierung →

educa.ch – Fachagentur

Die nationale Fachagentur für den digitalen Bildungsraum. Neue Leistungsvereinbarung ab Januar 2025. Kernthemen: Bildungstechnologien, Informations- und Rechtssicherheit, digitale Identität (Edulog), Datenschutz. Zentrale Referenz: Rechtliche Auslegeordnung KI im Bildungsbereich (August 2024).

educa.ch →

BAKOM / Bundesrat

Der Bundesrat prüft 2024–2026 Varianten einer Schweizer KI-Regulierung (von „Abstützung auf Council-of-Europe-Konvention" bis zu eigenständigem Gesetz). Eine Entscheidung wird für 2026/27 erwartet. Bis dahin gelten bereichsspezifische Normen (DSG, Urheberrecht, Produkthaftung).

BAKOM: KI →

SKBF / Bildungsbericht

Die Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung veröffentlicht alle vier Jahre den Bildungsbericht, der KI zunehmend als Querschnittthema adressiert. Nächste Ausgabe: 2027.

SKBF →

Kantonale Ebene – Beispiele

Zürich – 5 Leitsätze statt starrer Regeln
Das Volksschulamt hat bewusst keine detaillierten Verbote erlassen, sondern fünf Leitsätze publiziert. Kernunterscheidung: formative Beurteilung mit KI ist offen, summative und promotionsrelevante Beurteilung wird enger geregelt. Weiterbildungen über die PH Zürich. Kanton Zürich: KI in der Volksschule →
Bern – PHBern als Kompetenzzentrum
Die Pädagogische Hochschule Bern betreibt Forschung und Weiterbildung zu KI im Unterricht. Der Kanton verweist bei grundlegenden Fragen auf PHBern-Materialien. Kanton Bern: PHBern KI →
St. Gallen – Praxisbericht „KI im Schulalltag"
Kanton St. Gallen hat frühe, praxisnahe Bestandsaufnahme veröffentlicht. Fokus auf konkrete Fallbeispiele. Kanton St. Gallen: KI im Schulalltag →
Schwyz – Merkblatt für Lehrpersonen
Kompaktes Praxis-Merkblatt, das als Vorlage für andere Kantone dient. Kanton Schwyz: Merkblatt KI →

Unterstützungs-Infrastruktur

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🇩🇪 Deutschland

Kulturhoheit liegt bei den 16 Bundesländern. Die KMK (seit 2025 offiziell „Bildungsministerkonferenz") koordiniert, die Länder setzen um. Der Bund finanziert über den DigitalPakt und BMBF-Initiativen.

Bundes- und Länderkoordination

KMK – Handlungsempfehlung Oktober 2024

„Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen": Deutschlands zentrales Steuerungsdokument. Federführung NRW. Baut auf dem SWK-Impulspapier „Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem" (2024) und der ergänzenden Empfehlung „Lehren und Lernen in der digitalen Welt" (2021) auf. Plädoyer für konstruktiv-kritischen Umgang statt Verbote.

KMK-Mitteilung →

SWK – Wissenschaftliche Kommission

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK liefert die evidenzbasierte Grundlage. Das Impulspapier 2024 zu LLMs wird international zitiert. Neuere Arbeiten adressieren Assessment-Reform und Lehrer:innenbildung.

BMBF – Review und Förderung

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2025 einen systematischen Review „KI in der Schule" vorgelegt und fördert Forschungsverbünde sowie die Pilotinitiative KIMADU („KI im Mathematik- und Deutschunterricht", Start Februar 2025).

GEW – Bildungsgewerkschaft

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat 2025 eine bundesweite Länderumfrage zur KI-Situation an Schulen publiziert. Wichtige Datenquelle für den Ist-Stand.

Länder-Infrastruktur und Tools

telli – KI-Chatbot für Schulen (FWU / Medieninstitut der Länder)
Bundesweit koordinierte Schul-KI-Lösung. Angebunden an mehrere LLMs, inklusive Funktionen wie fiktive Dialogpartner und QR-Code-basierte Lernszenarien. Ab Oktober 2025 in Baden-Württemberg live, inzwischen in zwölf Bundesländern verfügbar (BW, Bayern, NRW, Schleswig-Holstein, Saarland u. a.). Kein Bildgenerator, keine Feedback-Funktion (Abgrenzung zu Fobizz). FWU: telli-Rollout →
Fobizz – kommerzielle Alternative
Privater Anbieter, in vielen Ländern und bei Trägern (u. a. München, Nürnberg) im Einsatz. Größerer Funktionsumfang (Bildgenerator, Feedback-Tools), kommerzielle Lizenzstruktur. Ergänzt oder konkurriert mit telli, abhängig vom Bundesland.
Baden-Württemberg – KI-Zentrum Schule
Oktober 2024 am Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) gegründet. Bündelt Weiterbildung, Tool-Evaluation und Curriculum-Entwicklung. KM BW: telli-Start →
Berlin, Hamburg, NRW – Länder-Portale
Alle großen Stadtstaaten und Flächenländer unterhalten eigene KI-Landingpages mit Leitlinien, Musternutzungsvereinbarungen und Fortbildungsangeboten.

Weitere zentrale Akteure

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🇦🇹 Österreich

Zentraler Akteur ist das BMBWF (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung). Österreich fährt eine aktiv steuernde, bundeszentrierte Strategie mit Pilot-Programmen und flankierender Weiterbildung.

Nationaler Rahmen

BMBWF – „Chance für Österreichs Schulen" (November 2023)

Maßnahmenpaket zum KI-Einsatz in Schulen, vorgestellt von Bundesminister Polaschek und StS Tursky. Umfasst Pilotschulen, Lehrer:innen-Weiterbildung, Lehrmittel-Updates und ethische Begleitung.

BMBWF: KI →

KI-Pilotschulen

100 Pilotschulen bundesweit mit Projektbudgets für individualisierte Lernpfade, GenAI als Lernhilfe und universitär begleiteter Evaluation. Laufend erweitert, Daten werden 2026 öffentlich aufbereitet.

eEducation Austria

Nationales Netzwerk für digitale Bildung. Führt die KI-Weiterbildung für Lehrpersonen, unterhält Expertinnen- und Expertenpool und koordiniert Schul-Zertifizierungen (eEducation Expert / Member).

eEducation Austria →

Eduthek – Materialplattform

Bundesweite Plattform für Lehrpersonen, Lernende und Eltern. Eigener KI-Bereich mit laufend erweiterten Unterrichtsmaterialien.

Flankierende Initiativen

KI-Strategie Österreich (AIM AT 2030)
Nationale KI-Strategie „Artificial Intelligence Mission Austria" mit Bildungspfad. Zentrale Referenz für querbezüge zwischen Schul- und Wissenschafts-KI. ki-strategie.at →
Bundeswettbewerb KI (BWKI)
Schüler:innen-Wettbewerb zur eigenständigen Entwicklung von KI-Projekten. Förderung über das BMBWF und AIM Austria.
schule.at – Informations-Portal
Bundesweites Portal mit KI-Materialien, Didaktik-Hinweisen und Good-Practice-Sammlungen. schule.at: KI →
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Vergleich: Drei Ansätze, drei Geschwindigkeiten

Schweiz

Modus: dezentral, rechtsanalytisch.
Stärken: fachlich saubere Rechtslage, gute kantonale Agilität.
Schwächen: keine national einheitliche Tool-Infrastruktur, Fragmentierung.
Leitakteur: educa.ch + Kantone.

Deutschland

Modus: koordiniert-föderal, tool-investiert.
Stärken: telli als gemeinsame Infrastruktur, KMK-Handlungsempfehlung.
Schwächen: Umsetzung je Bundesland sehr unterschiedlich.
Leitakteur: KMK + Länder + FWU.

Österreich

Modus: bundeszentriert, aktiv steuernd.
Stärken: klare Strategie, Pilotschulen mit Evaluation.
Schwächen: Skalierung auf alle Schulen offen, Zentralismus-Reibung.
Leitakteur: BMBWF.

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Bezug zum EU AI Act

Der EU AI Act prägt alle drei Länder – unterschiedlich stark.

Details und Ableitungen: EU AI Act für Schulen.

Primärquellen

Amtliche Dokumente & Portale

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