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Modell B

Modell B: Die Souveräne KI-Schule – Strategie statt Zufall

Abstract visualization of school strategy canvas

Schulleitung im KI-Zeitalter ist mehr als Lizenzmanagement. Es geht um Kultur, Prozesse und klare Verantwortlichkeiten. Unser Framework zeigt, wie es geht.

7. Februar 2026 · 9 Minuten Lesezeit

Ein Szenario, das viele Schulleitungen kennen: Eine Lehrkraft nutzt ChatGPT im Unterricht, eine andere verbietet es strikt. Eltern beschweren sich über Datenschutz, die IT-Abteilung blockiert vorsichtshalber alles, und im Lehrerzimmer herrscht Verunsicherung.

Das ist das Symptom einer fehlenden Strategie. KI-Einführung ist kein IT-Projekt, es ist ein politisches Projekt. Unser Modell B liefert nicht nur eine Anleitung, sondern eine Governance-Verfassung für die souveräne Schule.

Vom Chaos zur "Verfassung"

Wer keine eigenen Regeln setzt, wird von den Tech-Konzernen regiert. "Souveränität" bedeutet hier: Wir entscheiden selbst, welche Algorithmen unsere pädagogischen Räume betreten dürfen. Dazu brauchen wir mehr als nur eine fortlaufende Liste von "erlaubten Tools". Wir brauchen Axiome.

Die 12 Governance-Axiome

Anstatt jedes Tool einzeln zu diskutieren, haben wir 12 Grundsätze definiert, die als unverhandelbare Leitplanken dienen. Dazu gehören:

  • Datenhoheit: Wir akzeptieren keine Black Boxes. Datenflüsse müssen sichtbar sein.
  • Exit-Fähigkeit: Kein Tool ohne dokumentierten Notausgang ("Exit Strategy").
  • Equity by Design: Jede Einführung wird darauf geprüft, ob sie Bildungsungleichheit verstärkt oder abbaut.

Das Herzstück: Der Quadranten-Canvas

Um operative Entscheidungen zu treffen, nutzen wir den Quadranten-Canvas. Er ordnet Tools nach zwei Achsen:

  • Institutionelle Souveränität (X-Achse): DSGVO, Serverstandort, Kosten, Lock-in-Gefahr.
  • Pädagogische Handlungsfähigkeit (Y-Achse): Fördert das Tool "Algorithmische Mündigkeit" oder entmündigt es den Lernenden?
  • Grüne Zone (Zulassen): Hohe Sicherheit + Hoher pädagogischer Wert.
  • Gelbe Zone (Pilotieren): Pädagogisch brillant, aber datenschutzrechtlich riskant (z.B. US-LLMs). Hier gilt: Pilotieren mit strikten Auflagen ("Sandbox").
  • Rote Zone (Verbieten): Niedriger Nutzen, hohes Risiko.
  • Graue Zone (Zentralisieren): Verwaltungs-Tools ohne pädagogischen Anspruch.

Sprache ist Macht: Das Glossar

Wie verhandelt man mit Big Tech? Indem man die Begriffe definiert. In unserem neuen Glossar der Kernbegriffe definieren wir Vokabeln wie "Datentreuhand", "Sovereign Partnerships" und "Assessment Integrity". Wer diese Begriffe nutzt, verlässt die Rolle des Bittstellers und wird zum Verhandlungspartner.

Statt Workshops: Institutionelles Scaffolding

Das größte Missverständnis bei KI-Fortbildungen: "Wir machen einen pädagogischen Tag, dann können das alle." Nein. Veränderung braucht Struktur, nicht nur Events. Wir nennen das Institutionelles Scaffolding.

Dazu gehören:

  • Geschützte Zeitfenster: Der Stundenplan sieht feste Zeiten für Kollaboration vor.
  • Die 3 Formate: Statt "Alles für alle" gibt es zielgerichtete Module:
    1. KI-Kompass (für alle: Orientierung)
    2. Algorithmische Mündigkeit (für Fachschaften: Prüfungskultur)
    3. Datentreuhand (für Steuergruppen: Recht & Technik)

Red Teaming: Die Strategie härten

Ein robustes Konzept muss Kritik aushalten. Wir haben deshalb ein "Red Team"-Kapitel integriert, das die häufigsten Einwände ("Zu bürokratisch!", "Verhindert Innovation!") vorwegnimmt und entkräftet. Souveränität muss man verteidigen können.

Fazit

Die "Souveräne KI-Schule" wartet nicht auf Erlasse vom Ministerium. Sie handelt. Mit den richtigen Axiomen, einer klaren Sprache und struktureller Unterstützung wird KI vom Fremdkörper zum Werkzeug der Schulentwicklung.


Weiterführende Ressourcen